Neuer Beitrag – Temperaturmessung in Agentensystemen
Temperature measurement in agent systems
Autoren
Christoph J. Börner und Ingo Hoffmann
Zeitschrift
, March 2026.
Kommentar – Temperaturmessung in Agentensystemen
Temperaturmessung in Agentensystemen. Wie funktioniert das?
In der Ökonophysik werden aus der statistischen Physik bekannte Modelle verwendet, die Gruppen von Entscheidern (Agentensysteme) beschreiben.
Solche Modelle ermöglichen beispielsweise Ein-Schritt-Prognosen über das Entscheidungsverhalten bei Kapitalmarktinvestitionen, Wahlen oder Volksentscheiden in Abhängigkeit von einem Nachrichtenumfeld oder helfen dabei, Mechanismen der gegenseitigen Beeinflussung von Entscheidern zu identifizieren.
In der statistischen Physik ist die Zustandsgröße Temperatur definiert. Über einen Analogieschluss wird in der Ökonophysik eine entsprechende, gleichnamige Zustandsgröße eingeführt, die den Zustand eines Agentensystems beschreibt.
Damit stellt sich die Frage nach der Messgleichung und einer beobachtbaren Messgröße, von der auf die Temperatur geschlossen werden kann. Da die Temperatur in nahezu allen Modellen der Ökonophysik vorkommt, ist diese Frage für deren praktische Anwendung zentral.
Für Kapitalmarktanwendungen wurde bereits gezeigt, dass die Volatilität einer Aktie als mögliche Messgröße dienen kann, um auf die Temperatur eines Agentensystems zu schließen. Die weiterführende Frage lautet: Wie kann die Temperatur in einem allgemeinen Agentensystem bestimmt werden?
Der vorliegende Beitrag leitet für den Standard-Modellrahmen eines Agentensystems eine Messgleichung her, mit deren Hilfe sich aus dem gemessenen Entscheidungsüberhang die Temperatur des Agentensystems eindeutig bestimmen lässt. Dabei ergibt sich ein mathematischer Zusammenhang zwischen Temperatur und Entscheidungsüberhang, der sowohl isoliertes als auch imitiertes Entscheidungsverhalten berücksichtigt.
Anhand von Messergebnissen eines neurowissenschaftlichen Experiments wird die Bestimmung der Temperatur exemplarisch demonstriert. Eine weitere Anwendung zeigt, unter welchen Voraussetzungen das Entscheidungsverhalten einer konkurrierenden Gruppe von Entscheidern beeinflusst werden könnte, wenn in beiden Agentensystemen die gleiche Temperatur vorliegt. Der zugrunde liegende Mechanismus lässt sich zwar intuitiv vermuten, folgt hier jedoch direkt aus der Theorie.
Der Beitrag gehört zur theoretischen Grundlagenforschung in der Ökonophysik und diskutiert neben den Ergebnissen auch die Grenzen der Anwendung sowie mögliche Ansatzpunkte für zukünftige Forschung.
Weiterleitbarer Link zur Ansicht: https://doi.org/10.1142/S0219525926500013